
2010 feierten wir das 50-jährige Bestehen unserer
Partnerschaft mit Avignon und zugleich das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft
Wetzlar-Ilmenau. Zu diesem Anlass hat die Stadt Wetzlar in Zusammenarbeit mit
der DFG Wetzlar eine
Festschrift
herausgegeben. Sie kann über das Kulturamt der Stadt Wetzlar bezogen werden.
Jubiläum 50 Jahre Verschwisterung
Avignon-Wetzlar
Die restlichen 701 Photos können nach Absprache auf CD eingesehen
werden.
2005 erschien
die lesenswerte Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der DFG.
Die Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der DFG kann über
den Vorstand bezogen werden.
Die
treibende Kraft hinter der Idee einer Verschwisterung zwischen der
mittelhessischen Stadt Wetzlar und einer Stadt in der Provence war die aus einer
Wetzlarer Industriellenfamilie stammende Philantropin Dr.
Elsie Kühn-Leitz. Nachdem zuerst eigentlich eine Verschwisterung mit der
Stadt Orange ins Auge gefasst worden
war, diese sich aber aufgrund der gemeinsamen niederländischen Interessen eher
für Dillenburg interessierte, kam man auf Avignon als mögliche Partnerstadt.
Am 2. August 1956 wurde das Projekt einer Partnerschaft zwischen Wetzlar und
Avignon begründet, stellvertretend für die Franzosen zeichnete Claude Simonot,
für die Deutschen Dr. Elsie Kühn-Leitz. Am 23./24. November 1957 kam eine
französische Delegation mit den Herren Gautier, Hugues, Bühler und Dhombres
nach Wetzlar und hatte im „Haus Friedwart“, dem Elternhaus von Elsie Kühn-Leitz,
erste Gespräche über die Einzelheiten der abzuschließenden Verschwisterung
aufgenommen. Im Januar 1958 folgten dann Gespräche in Avignon. Daran nahmen von
Wetzlarer Seite die Herren Helmsen, damaliger Generalsekretär der Deutsch-Französischen
Gesellschaft, und Pierschkalla teil.
M.
Bühler von Avignon plädierte für ein Jugendaustauschzentrum, es gab
allerdings durch den damaligen Bürgermeister und Senator Edouard Daladier große
Schwierigkeiten, da er eine Partnerschaft mit einer deutschen Stadt strikt
ablehnte. Bei den nächsten Wahlen in Avignon ergaben sich neue Mehrheitsverhältnisse,
und Henri Duffaut, der vormalige Stadtkämmerer und glühende Befürworter einer
Jumelage, wurde Bürgermeister. Er war mit seinen Mitstreitern, den Herren
Gautier, Hugues, Leiterer und Bühler, ein Pionier unserer Partnerschaft: sie
waren bereits zum damaligen Zeitpunkt Mitglieder des „Mouvement Européen“.
Nun gab es keine Schranken mehr, und an Ostern 1958 fand eine große Bürgerbegegnung
statt. Von Wetzlar fuhren annähernd 300 Personen, zu einem großen Teil
Mitglieder kulturtragender Organisationen wie des Union-Chores, der
Singakademie, des Tanzsportvereins Schwarz-Rot, aber auch zahlreiche
Einzelpersonen, nicht zu vergessen der größte Teil der Deutsch-Französischen
Gesellschaft und wichtige Repräsentanten der Stadt Wetzlar mit in den Süden
Frankreichs. Der Gegenbesuch aus Avignon fand vom 18. - 25. Juli 1958 in Wetzlar
statt, und es wurde beschlossen, die offizielle Verschwisterung zwischen den
beiden Städten im Juni 1960 in Wetzlar zu besiegeln. Im Herbst 1960 fuhr eine
Delegation von DFG und Stadt Wetzlar nach Avignon zur Unterzeichnung der
dortigen Partnerschaftsurkunde.
Nun
entwickelten sich Schülerbriefwechsel und -austausche, zunächst noch zögerlich,
dann rasch lebhafter. Es wurde ebenfalls ein Lehrlings- und Berufstätigenaustausch
eingeleitet, allmählich verlor sich die „Résistance“, die hier und da noch
vorhandene Ablehnung gegenüber Deutschland in der Provence. In den Personen von
den Damen Kühn-Leitz und Hottenrott und den Herren Helmsen, Heidt, Grün und Fabel von
deutscher Seite sowie den Herren Leiterer, Lieber, Chaubet und Bühler von französischer
Seite fanden sich Frauen und Männer, die durch unermüdliche Anstrengung die
Partnerschaft zu einem Erfolg machten. Sie seien stellvertretend für die vielen
Ungenannten erwähnt, die still und aufopfernd im Hintergrund wirkten. Heute ist
die Partnerschaft zwischen Avignon und Wetzlar aus dem Bild beider Städte nicht
mehr wegzudenken, sie gibt beiden Städten Impulse für die Entwicklung auf dem
Weg zum vereinten Europa.
Für
weitere Informationen über unsere „Gründungsmutter“ und ihr politisches
Wirken empfehlen wir die folgende Lektüre:
Elsie Kühn-Leitz - Mut zur
Menschlichkeit.
Vom Wirken
einer Frau in ihrer Zeit. Hrsg. v. Klaus Otto Nass, Europa Union Verlag, Bonn
1994, ISBN 3-7713-0450-4 (gebunden) oder 3-7713-0451-2 (broschur)